Die Sprache ist nicht das einzige, aber das wichtigste Kommunikationsmittel zwischen Menschen. Sie verrät uns, woher unser Gegenüber stammt – aus welchem Land? Welcher Region? Und welcher sozialen Schicht? Immer mehr Menschen manipulieren deshalb bewusst ihre Wortwahl, um im Job gebildeter zu wirken und dadurch schneller die Karriereleiter zu erklimmen. Welche Wörter wirklich geeignet sind, um Ihrer Sprache mehr Stil zu verleihen, und welche eher nicht, möchten wir Ihnen heute verraten.

Die Muttersprache ist mehr als Deutsch, Englisch oder Französisch
Wenn wir von der Muttersprache reden, denken die meisten Menschen an Deutsch, Kroatisch oder Spanisch.
„Muttersprache ist die in der frühen Kindheit von den Eltern oder anderen nahestehenden Personen ohne formalen Unterricht erlernte Sprache.“
Doch die Muttersprache formt auch die Grammatik, Lautgestaltung und Wortwahl des Kindes. Aus diesem Grund lässt sie Rückschlüsse auf die soziale Herkunftsschicht des Sprechers zu. Zwar ist es durch die entsprechende Bildung durchaus möglich, aus einer sozialen Schicht auszubrechen, was sich wiederum durch einen verbesserten Wortschatz und Sprachgebrauch erkenntlich macht, doch ist das aufgrund der Bildungsbenachteiligung leider eher selten der Fall.
Definition: Bildungsbenachteiligung
Bei der Bildungsbenachteiligung handelt es sich um den Effekt, dass Menschen mit geringerem sozialen sowie finanziellen Status beim Erwerb von Bildung benachteiligt werden, was den Aufstieg in eine bessere soziale Schicht erschwert. Auch Faktoren wie das Geschlecht oder die kulturellen Ressourcen eines Menschen können zu dessen Bildungsbenachteiligung führen. Doch in diesem Artikel soll der Fokus auf die Sprache gelegt werden. Die in Deutschland gültige formale Chancengleichheit existiert also nur auf dem Papier, während die Sprache eines Menschen zu bewusster oder unbewusster Diskriminierung führen kann, zum Beispiel im Arbeitsleben.
„Chancengleichheit bedeutet,
dass jeder seine Chance bekommt, seine Unfähigkeit zu beweisen.“
(Sprichwort)
Klingt kompliziert, ist aber eigentlich recht simpel: Wer die „Muttersprache einer niederen Bildungsschicht“ hat, wird im Berufsleben bei Entscheidungen wie einer Beförderung oftmals bewusst oder unbewusst diskriminiert. Dadurch wird der hierarchische und damit auch soziale Aufstieg erschwert. Menschen mit der „Muttersprache einer gehobenen Bildungsschicht“ sind derweil quasi automatisch erfolgreicher – allein aufgrund ihres Wortschatzes und Sprachgebrauchs.
Beruflicher Erfolg und Sprache hängen unmittelbar zusammen
Gewiss sind wir in Westeuropa in der Hinsicht Chancengleichheit weiter als viele Länder der Welt. Dennoch konnten die französischen Soziologen Bourdieu und Passeron in den 1960er Jahren im Rahmen ihrer Studien folgende Ergebnisse ausmachen: Kinder aus sozial schlechteren Schichten
- zeigen bereits im Alter von zwei Jahren Unterschiede in der Sprachentwicklung gegenüber Gleichaltrigen aus höheren sozialen Schichten.
- besuchen im späteren Verlauf ihrer Kindheit mit höherer Wahrscheinlichkeit eine „schlechtere“ Schule – je nach länderspezifischem Schulsystem. Und das bei wohlgemerkt gleicher Intelligenz und Kompetenz.
- haben mehr Probleme damit, sich Schulwissen schnell sowie nachhaltig anzueignen.
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Bereits der schulische Erfolg hängt also unmittelbar mit der Sprachkompetenz des Kindes und dadurch mit dessen sozialer Herkunftsschicht zusammen. Klar, dass das auch Auswirkungen auf die spätere Karriere nimmt. In den meisten Fällen bleiben in der Unterschicht geborene Kinder ihr Leben lang in der Unterschicht, selbiges ist in der Mittelschicht und Oberschicht zu beobachten. Ausnahmen bestätigen die Regel. Der britische Soziologe Basil Bernstein verglich hierzu Sprachstichproben der unterschiedlichen sozialen Schichten. Er kam zu folgendem Resultat: Bei gleicher Intelligenz (IQ) eines Menschen, sind je nach sozialer Herkunftsschicht Unterschiede auszumachen in
- Wortschatz,
- Satzlänge,
- Pausenlänge und
- Wortlänge.
Er folgerte daraus: Je kürzer die Wort-, Satz- und Pausenlänge, desto schlechter die soziale Schicht des Sprechers. Zudem fragte er die Probanden nach Synonymen für das Wort „tüchtig“:
- Die Befragten aus den unteren sozialen Schichten nannten beispielsweise ehrgeizig, gesellig, freundlich oder höflich.
- Jene aus einer besseren sozialen Schichten zählten hingegen ehrlich, ordnungsliebend, kräftig und gesund auf.
Dies beweist die Unterschiede im Sprachgebrauch je nach sozialer Herkunft. Es unterscheidet sich also nicht nur der Wortschatz selbst, sondern die sozialen Schichten schreiben einigen Begriffen auch verschiedene Bedeutungen zu.
Sprachmanipulation für mehr Erfolg?
Wenn also die Sprache eines Menschen einerseits mit dessen Herkunft zusammenhängt und andererseits seinen Erfolg im Berufsleben vorteilig oder nachteilig beeinflussen kann, drängt sich die Frage auf: Lässt sich dieser Mechanismus eventuell umkehren? Können Sie also durch eine gezielte Manipulation Ihrer Sprache Ihre Erfolgschancen im Job verbessern? Tatsächlich können Sie durch Ihre Sprache zumindest teilweise die Zugehörigkeit zu einer Gruppe demonstrieren. Kaum ein Mensch über 25 wird das Wort „YOLO“ verwenden und was unter „abdominal“ zu verstehen ist, wissen fast nur Angehörige der Medizinbranche. Auch mit der sozialen Oberschicht kann das funktionieren: Je stilvoller Ihre Sprache, umso besser sind Ihre Erfolgschancen im Job und damit auch Ihre Aufstiegschancen, nicht nur in der Hierarchie, sondern in der sozialen Schicht.
„Stilvolle Sprache“ – Was soll das bedeuten?
Stil ist ein Wort, welches die Geister scheidet. Viele von Ihnen werden nun an Mode denken und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Zudem gibt es den Schwimmstil oder einen Architekturstil. Wie also soll Stil mit Sprache zusammenhängen und woher wollen wir wissen, welche Wortwahl „stilvoll“ ist und welche nicht? Die verschiedenen Bedeutungen von Stil sind breit gefächert und auch auf die Sprache anwendbar. Es soll also heute um folgende Definition von Stil gehen:
„Der Begriff „Stil“ stammt von dem lateinischen „stilus“, dem Schreibgerät, und bezeichnete ursprünglich die individuelle Eigenart eines Menschen beim Schreiben – sei es hinsichtlich dessen Handschrift oder eben Ausdrucksweise und Wortwahl. Im Zusammenhang mit der Sprache wird deshalb Stil als Merkmale eines geschriebenen oder gesprochenen Wortes, Satzes oder Textes verstanden, welche diese einzigartig machen. Ihr Sprachstil ist also nichts anderes als Ihre individuelle Art und Weise, Sprache zu verwenden, Sätze zu bilden und Worte auszuwählen.“
Prinzipiell handelt es sich bei dem Stil um einen neutralen, sprich wertfreien Begriff. Dennoch wird mittlerweile unter „stilvoll“ eine positive und unter „stillos“ eine negative Assoziation hergestellt. In unserem Fall wird die „stilvolle“ Sprache der sozialen Oberschicht und die „stillose“ Sprache der sozialen Unterschicht zugeschrieben. Eine stilvolle Sprache lässt demnach auf eine bessere soziale Herkunft schließen und erhöht – im bereits beschriebenen Mechanismus – Ihre Karrierechancen. Nur: Wie können Sie den Stil Ihrer Sprache „verbessern“?
13 Wörter für eine stilvollere Ausdrucksweise
Wie bereits erwähnt, ist nicht nur der Wortschatz je nach sozialer Schicht unterschiedlich, sondern auch die Länge der Sätze, Wörter und Pausen variiert. Wenn Sie also tatsächlich die Sprache der „Oberschicht“ annehmen möchten, sollten Sie auf möglichst lange Sätze, Pausen und Wörter achten. Klingt kompliziert? Ist es auch – und wirkt deshalb schnell gekünstelt. Genau das ist nämlich das Problem, wenn Sie damit beginnen, Ihre Muttersprache „manipulieren“ zu wollen: Sie verlieren Ihre Authentizität und der Effekt schlägt schnell in das Gegenteil um. Wer Wörter in einem unpassenden Zusammenhang verwendet, falsch ausspricht oder offensichtlich zur Angeberei verwendet, schießt sich damit schnell selbst ins Aus und macht sich zum Gespött von Kollegen und Vorgesetzten – was für Ihre Karriere eher hinderlich als förderlich wäre.
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Dennoch sollten Sie unbedingt Vulgärsprache im Berufsleben vermeiden, den Fachjargon Ihrer Branche kennen und Ihre Rhetorik verbessern. Letzteres hat nämlich einen großen Einfluss auf Ihr Image, welches wiederum über Erfolg oder Misserfolg im Job entscheiden kann.
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Hierfür kann es bereits ausreichend sein, einige der 13 folgenden Wörter in Ihren alltäglichen Sprachgebrauch zu integrieren. Richtig eingesetzt, lassen diese Sie intellektueller, professioneller und „stilvoller“ wirken:
- Achtsamkeit: Bei der Achtsamkeit handelt es sich um eine besondere Form der Aufmerksamkeit, vor allem sich selbst gegenüber.
- Adaption: Die Adaption umschreibt die Anpassung, zum Beispiel von einem Organismus an seine Lebenswelt oder aber auch von einem Schriftstück an eine Zielgruppe. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Adoption.
- Ambition: Wenn Sie im Vorstellungsgespräch nach Ihren Ambitionen gefragt werden, sich für die ausgeschriebene Stelle zu bewerben, sollten Sie diese Frage problemlos verstehen und beantworten können. Die Ambition beschreibt ein zielgerichtetes Streben beziehungsweise eine besondere Form von Ehrgeiz bis hin zum Machthunger.
- Authentizität: Das Wort ist bereits gefallen und steht für die Echtheit beziehungsweise Unverstelltheit eines Menschen.
- Defizit: Das Defizit beschreibt einen Mangel beziehungsweise einen finanziellen Fehlbetrag.
- Differenz: Ähnlich dem Defizit bezeichnet Differenz nicht nur im mathematischen Sinne das Ergebnis einer Subtraktion, sondern auch einen Fehlbetrag. Gängig ist die Verwendung zudem für die Umschreibung einer Meinungsverschiedenheit.
- Eigeninitiative: Ein Wort, welches sich in jeder Bewerbung gut macht, ist die Eigeninitiative. Doch Sie sollten natürlich auch wissen, was das eigentlich bedeutet: Es handelt sich um eine besondere Form der Selbstständigkeit. Sie übernehmen also Eigenverantwortlichkeit beziehungsweise werden im Alleingang aktiv, ohne dafür einen Stimulus von außen zu benötigen.
- Funktionalität: Ein schönes langes Wort, welches nicht mehr und nicht weniger als die Fähigkeit, eine bestimmte Funktion auszuführen, beschreibt.
- Hierarchie: Mit Ihrem neuen „stilvollen“ Wortschatz möchten Sie gewiss in der Hierarchie Ihres Unternehmens aufsteigen. Hierfür sollten Sie dieses Wort kennen, welches als Synonym für die Rangordnung verwendet wird.
- Implizieren: Dieses Verb drückt aus, dass jemand etwas andeutet, ohne es konkret auszusprechen. Ein einfaches Beispiel wäre: Nehmen wir einmal an, wir behaupten, dass Sie eine „stillose“ Sprache hätten. Damit würden wir implizieren, Sie kämen aus der sozialen Unterschicht.
- Initiieren: Ein weiteres schönes Verb mit dem Anfangsbuchstaben „I“ ist initiieren. Wenn Sie etwas initiieren, geben Sie den Anstoß für eine Aktion. Durch eine geschmacklose Bemerkung initiieren Sie zum Beispiel einen Konflikt zwischen zwei Kollegen. Synonyme sind also anregen, anstoßen, veranlassen, einen Impuls geben oder etwas in Gang bringen.
- Innovation: Die Innovation ist ein Begriff, welcher Ihnen im Berufsleben gewiss öfter über den Weg laufen wird. Sie bezeichnet einen Neuerungsprozess, häufig – jedoch nicht nur – im technischen Sinne. Sie steht für eine Reform, eine Neuerung beziehungsweise Erneuerung oder auch eine kontrollierte Veränderung. Umgangssprachlich beschreibt die Innovation die Erfindung oder Idee selbst. Korrekt angewendet, ist die Innovation aber erst deren konkrete Umsetzung, zum Beispiel in ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Verfahren.
- Stimulus: Auch dieses seltsam klingende Wort ist bereits gefallen. Es steckt eigentlich nicht mehr dahinter als die Beschreibung eines Reizes, welcher eine bestimmte Reaktion auslöst. Synonyme für den Stimulus sind Anreiz, Ansporn, Impuls oder Triebfeder.
Fortan können Sie die 13 aufgeführten Begriffe im Berufsleben verstehen sowie selbst korrekt anwenden. Ob und wann dies sinnvoll ist, bleibt Ihnen allerdings selbst überlassen. Während die einen nämlich in einer solchen Selbstinszenierung aufgehen, setzen die anderen lieber auf Authentizität und damit ihre ursprüngliche Muttersprache. Im Sinne Ihrer Persönlichkeitsentwicklung schadet es dennoch keinesfalls, Ihre Sprachgewohnheiten einmal zu reflektieren. Für Ihren beruflichen Erfolg gilt es nämlich, Vulgärsprache aus Ihrem Wortschatz zu verbannen und Fremdwörter – wenn Sie diese überhaupt verwenden – in den korrekten Zusammenhang zu setzen. Falsch eingesetzt, können diese sonst schnell für eine Blamage sorgen. Wie so oft im Leben, müssen Sie wohl einfach das richtige Mittelmaß finden.
Oder was denken Sie? Achten Sie im Berufsleben auf Ihre eigene Sprache oder die der Kollegen, Vorgesetzten, Geschäftspartner und Kunden? Was sagt die Sprache Ihrer Meinung nach über einen Menschen aus? Plädieren Sie für die Manipulation der eigenen Sprachgewohnheiten zugunsten der Karriere? Oder sind Sie eher ein Verfechter der absoluten Authentizität? Wir bedanken uns für Ihren Beitrag in den Kommentaren!
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