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Die Lebensversicherung hat als Altersvorsorge ausgedient…………..

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Die Lebensversicherung hat als Altersvorsorge ausgedient…………..

Sven Enger

Unternehmer, Speaker und Associate Partner, HWWI

Sven Enger
  • Der einstige Kassenschlager der Versicherer hat die besten Tage hinter sich
  • Zu lange haben die Konzerne nur zugesehen und die Digitalisierung verschlafen
  • Es ist auch für die Versicherer an der Zeit, sich neu aufzustellen
  • Lebensversicherer befinden sich in einer existenziellen Krise. Ihre einstige Cashcow, die kapitalbildende Lebensversicherung, war einmal das beliebteste Produkt für die private Altersvorsorge. Heute ist sie tot. Was ist passiert?

Glaubt man den Branchenvertretern, ist klar: Die anhaltende Niedrigzinsphase und die staatliche Regulierung sind schuld. Den Unternehmen blieben kaum noch Spielräume, um rentabel wirtschaften zu können. Richtig ist: Niedrige Zinsen machen es den Lebensversicherern schwer, frisches Geld gewinnbringend anzulegen. Zudem zwingt sie der Bund, einen Großteil der Gelder in festverzinsliche Staatsanleihen anzulegen. Beides sind wirkmächtige Faktoren. Aber: Sie bieten keine hinreichende Erklärung für die Krise der Lebensversicherer. Die ist zu einem guten Teil hausgemacht.

Altbekannte Probleme – und keine Lösung

Jahrelang sahen die Unternehmen keinen Anlass zur Veränderung. Die Geschäfte liefen doch gut, warum sollte man etwas anders machen? Milliardengewinne – nicht zuletzt durch die Einführung der Riester-Rente – sind aber nicht in Zukunftsinvestitionen geflossen, sondern in Provisionen, Vorstandsvergütungen und Verwaltung. Die Versicherer wussten bereits vor Jahrzehnten, als sie lang laufende Lebensversicherungspolicen mit hoher Verzinsung anboten, dass dies ihr Unternehmen in arge Schwierigkeiten bringen könnte – oder dass sie die Versprechungen ihren Kunden gegenüber keineswegs würden einlösen können.

Einer der größten Fehler der Versicherer: Sie haben die Digitalisierung verschlafen! Digitalisierung bedeutet aber nicht, Vertreter mit Tablets auszustatten. Sie bedeutet, das eigene Geschäftsmodell zu hinterfragen und die Bedürfnisse der Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Was wollen die Kunden heute?

  • Transparenz: Jeder Mensch möchte genau und schnell wissen, was er im Alter zu erwarten hat. Das können ihm aber weder staatliche Institutionen noch die Lebensversicherer bieten.
  • Maßgeschneiderte Offerten: Heute möchten die Menschen keine Massenprodukte mehr, sondern individuelle, flexible, an die jeweilige Lebenssituation angepasste Angebote, auch bei Versicherungen. Viele Branchen können das liefern, die Versicherungsbranche nicht.
  • Kostenersparnis: Es ist für Kunden selbstverständlich, dass Einsparungen auf der Vertriebsseite an sie weitergegeben werden. Schließlich helfen sie den Unternehmen beim Sparen, etwa indem sie ihre Daten zur Verfügung stellen, die Entscheidung für ein Produkt größtenteils eigenständig treffen, den Vertriebsapparat weitgehend überflüssig machen.
  • Digitale Assistenten: Auch wenn es um ihre Altersvorsorge geht, verlangen die Menschen nach digitalen Modellen, die mehr bieten als webbasierte Vergleichsportale oder Angebote eines einzigen Anbieters. Bekommen sie die? Fehlanzeige.

Heute wird viel von Veränderungen und Digitalisierung geredet, aber nachgedacht wird viel zu langsam oder gar nicht. Es ist für Politik, Versicherer, Branchenexperten und auch Verbraucher an der Zeit, sich auf den digitalen Wandel einzustellen. Für die Konzerne wird es wichtig sein, sich neu aufzustellen. Sonst ereilt sie ein ähnliches Schicksal wie Nokia, Kodak und Co. Sie gehen unter und werden von branchenfremden Unternehmen, die Digitalisierung ernst nehmen, ersetzt.

Es ist endlich Zeit für eine kontroverse, ergebnisoffene Diskussion über die Altersvorsorge der Zukunft – ohne Besitzstandswahrung und die ewig alten, beschwichtigenden Plattitüden, ohne ausschließlich auf Profite und Wählerstimmen zu schielen. Es geht um nicht weniger als die Zukunft unserer Gesellschaft.

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