Copyright by GuenterDraxler

Kurzgeschorene Rasen müssen peinlich werden…………..

In Altersvorsorge, Arbeiten von Zuhause aus, Coaching, Crowdfunding, Crowdinvesting, Erfolgreich als Selbstständiger, Erfolgreich im Internet, Finanzierung, Firmenneugruendung, Geld im Internet verdienen, Geld verdienen von Zuhause aus, Immobilien, Immobilienfinanzierung, Immobilieninvestoren, Insolvenz, Internetmarketing, Investoren, Leasing, Mietkauf, Mietkauf, Immobilienfinanzierung, Immobilieninvestoren,, Mietkaufvertrag, Nebenverdienst im Inetrnet, Nebenzu Geld verdienen, Onlinemarketing, Software, Startup, Strohmannkonto, Videomarketing, Zwangsversteigerung on Juni 14, 2019 at 11:20 am

Kurzgeschorene Rasen müssen peinlich werden

 

Blumenwiese statt Kurzrasen. Bild: T. Rieg

Viele reden von Klima- und Umweltschutz – doch die meisten heimischen Gärten wie öffentlichen Parks zeigen, wie sehr sich die Menschen von der Natur entfremdet haben

Ein vermutlich nie dagewesenes Artensterben erleidet die Welt derzeit, vermeldete der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) kürzlich. Dieser Bericht, der in unglaublicher Fleißarbeit Erkenntnisse aus etwa 15.000 Studien zusammengetragen hat, war natürlich allen Medien eine Nachricht wert: „bedrückend“ fand das ZDF die Nachricht. „Es sieht nicht gut aus – für den Menschen“ befand der Berliner Tagesspiegel. Aber es blieb eine Meldung unter vielen, eine News, die am Folgetag schon wieder alt und bedeutungslos war. Nachrichtenroutine.

In Bayern hatten bis Februar 1,7 Millionen Wahlberechtigte das „Bienenvolksbegehren“unterzeichnet, Ministerpräsident Markus Söder beugte sich überraschend schnell und weit. Nach diesem bayerischen Vorbild laufen derzeit zahlreiche Initiativen in Deutschland. Doch das sollte nicht zu dem Eindruck führen, in der Bevölkerung gäbe es eine spürbare, gar mehrheitliche Stimmung „zurück zur Natur“. Zwar sprechen sich zwei Drittel dafür aus, dass es in Städten Orte geben soll, „wo sich Natur spontan entwickeln kann beziehungsweise sich selbst überlassen bleibt“ (Studie „Naturbewusstsein 2015“, Seite 47). Doch ein Blick in beliebige Wohnsiedlungen dieser Republik zeigt, wie es um dieses Naturbewusstsein steht, sobald jemand frei herrschen darf.

Das haben bisher – drittes Spotlight – die „Fridays for Future“-Demos nicht geändert, trotz großen Rückhalts in der Bevölkerung: selbst wo sich Tausende versammeln, geht das Leben drumherum seinen gewohnten, routinierten Gang, behördliche Sanktionen inklusive.

Dass in der Ökologie alles mit allem zusammenhängt wird allmählich Alltagswissen: CO2-Reduktion, Artenerhalt, Naturbewahrung – es geht stets darum, den immensen, wirkmächtigen, zu seiner Biomasse weit überproportionalen Eingriff des Menschen in Natursysteme deutlich zu verringern. Weil das allerdings unsere heutige Lebensweise radikal infrage stellt, fokussieren sich Diskussionen gerne auf Einzelaspekte: Glühbirnen, Plastiktüten, Einweg-Kaffeebecher – die Politik reagiert mit dem immer gleichen Herrschaftsinstrumenten Besteuern und/ oder Verbieten. Und doch steigt das Tempo, in dem dieser Planet – auch für uns selbst existenziell – verändert wird.

Verödung der Landschaft

Wer, am besten mit einem Regionalzug, im oberen Stockwerk sitzend, durch Deutschland fährt, kann das grundlegende Problem kaum übersehen. Jedenfalls nicht, wenn man sich kurz vorzustellen versucht, wie es wohl dort, wo man gerade hinschaut, noch vor 20, vor 200 und vor 2000 Jahren ausgesehen haben mag. Denn man wird kaum einen Quadratmeter erspähen, der nicht dem Menschen untertan gemacht wurde. Überall sind Neubaugebiete entstanden, nicht weil die Bevölkerung gewachsen ist, sondern weil der Traum vom Eigenheim und damit ein Arbeitsleben für die Bank zum kapitalistischen Ethos gehört.

Überall entstehen Gewerbeflächen – hässliche Flachbauten, asphaltiertes Außengelände, eigene Zufahrten mit Beleuchtung -, obwohl Produktion doch immer effektiver wird und aus Maloche Dienstleistung geworden ist. Aber jedes verkaufte Fleckchen Erde bringt jemandem Geld, und jede noch so dämliche Unternehmung lässt Kommunen auf Gewerbesteuer hoffen. In jedem Waldstück kann man Spuren des menschlichen Wirtschaftens erblicken: Ansitze der Jäger, Markierungen für die Baumfäller, Verwüstungsspuren der Harvester.

Blumen in der Großstadt. Bild: T. Rieg

Die Wiesen und Felder sind eintönig, auch ohne Kenntnisse der Botanik als Monokulturen zu erkennen, denen die Artenvielfalt mechanisch und chemisch ausgetrieben wurde. Dazwischen immer wieder Bautätigkeit für neue Straßen, Brücken, Kanäle, für neue Kabel und Pipelines und weiß der Kuckuck was alles. Wo gerade kein Bagger baggert, stehen wenigstens schon Markierungen für die Zukunft.

Inzwischen ist es tatsächlich in vielen Städten bunter als in der „Natur“, wenn auch ökologisch oft ähnlich wertlos: Die „Wechselbepflanzungen“ mit farbigen, aber sterilen Blumenzüchtungen, geometrisch exakt angeordnet, gehören zum Standardprogramm der Grünflächenämter. Sie sind Wohlstandsexzess und Naturentfremdung wie all unsere Neubaugebiete, wie Wald und Flur: Naturbezwingung nicht zum Überleben, sondern als Selbstzweck, als Insignium menschlicher Überlegenheit.

Es ist kein Wunder, dass privater Garten ums „Haus im Grünen“ eine Miniatur städtischer Grünanlagen ist, schließlich sind heutige Dorfbewohner überwiegend Luxusmigranten, und wer nicht aus der Stadt in ihren Speckgürtel zieht, sondern schon immer „im ländlichen Raum“ wohnt, der ist trotzdem mit größter Wahrscheinlichkeit nie bäuerlich sozialisiert worden, hat also nicht erlebt, warum und wozu Dörfer einst entstanden sind.

„Gärten des Grauens“

Schon vor Jahrzehnten gab es eine kleine Bewegung für Naturgärten, für den biologischen Anbau von Obst und Gemüse sowie „wilde Ecken“ für eine bunte Fauna. Doch sie hat sich nicht durchgesetzt. Es dominiert allüberall der Wettstreit um das sterilste Terrain mit der Pflichtdisziplin „Englischer Rasen“: kein Gänseblümchen darf sich breitmachen in diesen Bonsai-Getreidefeldern. Wer sich nicht freiwillig der Gartenzwergarmee anschließt, wird von den Nachbarn eingereiht.

Wer will sich bei dieser Bestandsaufnahme wundern, dass die Biodiversität dramatisch zurückgegangen ist? Wo und von was sollten denn Insekten leben, die Pflanzensamen verbreiten (Zoochorie) und Vögeln wie Kleinsäugern als Nahrung dienen? Der moderne Unverstand ökologischer Zusammenhänge zeigt sich beispielhaft an unserer Schmetterlingsfreude: Selbst im ein oder anderen Sterilgarten steht ein asiatischer Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii). Schmetterlinge sind allerdings die längste Zeit ihres Lebens Raupen, und als diese werden sie tatkräftig bekämpft, am effektivsten, indem Falter in unseren durchgekärcherten Gärten einfach keine geeigneten Futterpflanzen mehr finden, an denen sie ihre Eier ablegen könnten.

Es sind erstaunlicher- bis peinlicherweise vor allem Behörden, die sich effektiv für Biodiversität stark machen und der Natur wieder etwas mehr Gestaltungsraum zugestehen. Nicht nur die Naturschutzabteilungen, die oft genug eher Museen betreiben („berühren verboten“) anstatt die Natur machen zu lassen, vor allem die klassischen Garten- und Grünflächenämter, welche sich nicht zuletzt vom Klimawandel genötigt sehen, ökologisch wertlose Zierde gegen wild Wachsendes zu tauschen. Beispiel Eckernförde: Wiesen dürfen wachsen, Rabatten werden mit ausdauernden, einheimischen Pflanzen besetzt, pflegeintensive Rosenbeete wurden durch „Blüten-Dünen mit Seegras-Unterlage“ ersetzt – passend zum nahen Ostseestrand. Die Stadt Eckernförde ist Gründungsmitglied des Bündnisses für biologische Vielfalt mit derzeit 180 Mitgliedern – dreimal so viele wie bei der Gründung 2012.

Schulgelände mit Kurzrasen. Bild: T. Rieg

Jörg Sibbel, Bürgermeister von Eckernförde, ist Vorsitzender des Bündnisses, zu Fachfragen verweist er jedoch lieber an seinen Leiter der Abteilung Naturschutz und Landschaftsplanung im Bauamt, Michael Packschies. Der kennt die Diskrepanz zwischen behaupteter Naturliebe und tatsächlicher Naturakzeptanz aus seiner Arbeit nur zu gut: „Ohne begleitende Öffentlichkeitsarbeit hat Renaturierung wenig Erfolg“, sagt er im Gespräch mit Telepolis. Es gebe zwar eine zunehmende Bereitschaft, der Natur Raum zu geben, „aber da ist natürlich auch die Fraktion der Schottergärten“.

Die stolzen Gestalter solcher „Gärten des Grauens“ (Bilder auf Facebook) sind konstitutionell wenig begeistert, wenn irgendwo eine Kuhblume oder gar eine Distel blüht. Packschies‘ Erfahrung: Das Zulassen natürlicher Vielfalt muss als gewollt erkennbar sein, es darf nicht nach Schlendrian ausschauen. Deshalb stellen viele Kommunen an nicht kurzgemähten Wiesen Schilder auf, die sagen: Es ist Absicht, dass hier „Wildblumen“ blühen, es ist keine Sparmaßnahme.

Anders bei Privatgärten: Rein juristisch kann es da von Vorteil sein, gerade nicht von aktiv befördertem Wildwuchs zu sprechen. Michael Packschies nennt ein Beispiel: Als sich Nachbarn beschwerten, auf einem Grundstück in der Gemeinde nähmen die Ahornbäume überhand und stünden zu dicht an ihrem Zaun, konnte der Eigentümer erfolgreich darauf verweisen, er habe diese nicht gepflanzt, sie hätten sich vielmehr selbst ausgesät. Denn das Nachbarrechtsgesetz spricht mit all seinen normierten Mindestabständen für Bäume und Sträucher von „Anpflanzungen“. Wer nicht pflanzt, sondern nur zulässt, kann zumindest nach dieser oft angeführten Bestimmung nicht zur Naturvernichtung gezwungen werden. Ebenso sei es eine Mär, Rasen müssten vom Gesetz her kurzgeschoren werden, um die Nachbarn vor Samenflug höher gewachsener Gräser und Kräuter zu bewahren.

Rasen kurz, Laub weg

Kurz gehaltener Rasen ist nur dort sinnvoll, wo er stark vom Menschen strapaziert werden soll, etwa als explizite und viel genutzte Liegewiese. (Wobei die Alten zu berichten wissen, dass in ihrer Jugend Bienenstiche zum Freibadbesuch dazugehörten, weil es einfach gar keine Kapazitäten gab, die Wiesen so kurz zu halten, dass keine Kleeblüten mit Nektar locken konnten.) Ansonsten aber bilden sich Pflanzengesellschaften heraus, die mit den Gegebenheiten zurechtkommen – und weisen in jedem Fall mehr Biodiversität auf als der Englische Rasen. Selbst der nur zeitweise Verzicht auf den Schnitt erhöht schon den ökologischen Wert. Es ist mehr als unsinnig, etwa die Grünflächen von Schulen während der Sommerferien zu mähen, anstatt hier mindestens zwei Monate zu pausieren.

Bild: T. Rieg

Ein anderer nicht zu unterschätzender Beitrag für die Lebensräume Garten und Park ist der Verzicht aufs herbstliche Laubrechen, Wege ausgenommen. Doch noch gehört es zum amtlichen Ordnungsverständnis, verwelkte Blätter und abgebrochene Äste noch unter dem letzten Busch hervorzuholen und als Sondermüll zu deponieren.

„Deutschen Erdgarten“ nennt die Biologin Ulrike Aufderheide das überkommene Konzept, alles zu beseitigen, was man nicht selbst gepflanzt hat. Die Autorin zahlreicher Ratgeber für Naturgärtenwirbt im Gespräch mit Telepolis auch dafür, Totholz liegen zu lassen. Die Angst, von dem vermodernden Material könnten schädliche Pilze auf Büsche und Bäume übergehen, sei fast immer unbegründet. „Es sei denn, man hat exotische Pflanzen, die sehr empfindlich sind, oder geschwächte Pflanzen, zum Beispiel weil man sie stark beschnitten hat, was natürlich große Wunden hinterlässt und damit Angriffsfläche für Pilze.“

Zur „Biologische Vielfalt in Kommunen“ haben sich bereits vor neun Jahren 268 Städte und Gemeinden in einer Deklaration verpflichtet. Wiesen wachsen, Laub und Geäst liegen zu lassen, das sind zwei sehr einfache Hilfen für die biologische Vielfalt. Allerdings kann etwas mehr Naturraum nicht kompensieren, wenn die freie Natur immer weiter in kleine Reservate zurückgedrängt wird. Die Deklaration von 2010 spricht diesen besonders heiklen Punkt an: die Begrenzung des Siedlungswachstums. Derzeit werden jeden Tag 62 Hektar Land neu bebaut – ein Ende des Flächenfraßes ist weder in Sicht noch theoretisch geplant.

„Wir haben ja in Deutschland nicht plötzlich eine Wohnungsnot – wir bewohnen nur alle immer mehr Fläche“, sagt der Diplom-Geograf Michael Packschies und bestätigt den Blick aus dem Zugfenster.

Praxistipp zur Renaturierung

Um es nicht bei der Problemklage zu belassen, hier noch eine Kurzanleitung zur Renaturierung von Rasenflächen. Wiesen sind entstanden durchs Äsen großer Pflanzenfresser, die es in Europa wohl über viele hunderttausend Jahre gegeben hatte und die überwiegend vom Menschen ausgerottet wurden. Etwa später nahmen mit Domestizierung und Zucht Rinder und Ziegen/ Schafe und Hausschweine diesen Platz ein. Wiesen waren also nie geschützte, unberührte Flächen, sondern sie wurden extensiv genutzt – bis der Mensch Techniken zur Intensivnutzung entwickelte und damit eine kolossale Verarmung herbeiführte.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen einen signifikant höheren Artenreichtum auf zweischürigen Wiesen gegenüber ständig kurz gemähten. Auf einer naturnahen Wiese kommen etwa 50 Pflanzenarten auf 25 qm vor, auf intensiv genutzten sind es meist 70% weniger. Für viele Insekten konnte eine direkte Korrelation in der Vielfalt der Pflanzenarten zu den Tierarten nachgewiesen werden.

Lässt man einen bisher steril kurz gehaltenen Rasen wieder in die Höhe wachsen, kommen nach und nach über die Samenverbreitung von Wind und Tieren weitere Pflanzenarten hinzu. Eine naturnahe Wiese wird nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht, und zwar am besten stückweise, so dass Flächen verschiedener Wachstumsstufen beieinander liegen („Mosaikmahd“). Dadurch kommen möglichst viele Pflanzenarten bis zur Samenreife, und der Wechsel von hohen und niedrigen Gräsern und Kräutern bietet einen optimal strukturierten Lebensraum selbst im kleinsten Garten.

Bild: F.R.

Hochgewachsene Wiesen können mit Rasenmähern nur mit Mühe und bestimmungsfremder Nutzung geschoren werden. Da solche Sichelmäher alles kurz und klein schneiden, sind sie ökologisch sowieso besonders schlecht. Anstatt nun für eine kleine Grünfläche einen Balkenmäher anzuschaffen, nehmen sportive Menschen die Herausforderung einer Sense an. Sie verlangt einige Übung, doch dann ist Sensen ein geradezu meditativer Vorgang. Praktiker wie Ulrike Aufderheide raten bei kleinen Flächen zur Sichel, mit der die Pflanzen eher wie mit einem Buschmesser abgehackt werden, was statt Übung nur etwas Kraft erfordert.

Der Wiesenschnitt sollte zunächst auf der Wiese bleiben und zum Trocknen mehrmals gewendet werden, damit die Samen abfallen. Über das fertige Bio-Heu freuen sich Meerschweinchen, Hasen, Hühner, Schweine oder was man sonst in der Nachbarschaft hat. Wenn es keine Abnehmer gibt, bildet es, am besten zusammen mit Ästen, in einer Gartenecke ein eigenes Mini-Biotop (wohingegen das klassische Schnittgut vom Englischen Rasen nutzlose und unschöne Schimmelhaufen ergibt).

Eine bunte Blumenwiese wie im Bilderbuch entsteht so zwar meist nicht, dafür sind an den meisten Standorten umfangreichere Arbeiten nötig. Dennoch ist der Erfolg bereits im ersten Jahr anhand vieler Insekten sichtbar. Und während die kurzgeschorenen Rasenflächen der Stadt im Sommer austrocknen und verbräunen, bleibt die höher gewachsene Wiese mit ihren Kräutern ordentlich grün.                https://heise.de/-4443351

Vollständiges Impressum  

Einen inspirierenden Tag lieber Leser wir bedanken uns für ihren positiven Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: