Auch den deutschen Bausparkassen bereitet der anhaltende Niedrigzins sorgen. Denn sie müssen die Zinsversprechen an ihre Kunden erfüllen und die drücken so sehr, dass die Branche zu alternativen Lösungen greift. So hatten diverse Unternehmen in den letzten Jahren zehntausende Verträge von Kunden mit hochverzinsten Altverträgen gekündigt. Denn Bausparkassen haben ein Kündigungsrecht, wenn die Zuteilungsreife der Verträge länger als zehn Jahre zurückliegt. Dies hat der Bundesgerichtshof entschieden. Kündigungsrechte, die das Bürgerliche Gesetzbuch Darlehensnehmern gewährt, gelten dem Beschluss des Gerichts zufolge auch für Bausparkassen.

Inzwischen leeren die Bausparkassen ihre Kriegskassen. Konkret geht es um ein Konstrukt, das sich „Fonds zur bauspartechnischen Absicherung“ (FtbA) nennt: ein bilanzieller Sonderposten, den jede Bausparkasse selbst bildet und als Sicherheitspolster für schlechtere Zeiten dienen soll. Das heißt, jeder Anbieter spart einen eigenen Topf an.

Eingerichtet wurde der Fonds im Jahr 1990. Und er war paradoxerweise usprünglich für Zeiten hoher Zinsen gedacht. Der Hintergedanke: Wenn viele Kunden ihren Bausparkredit zeitgleich abrufen, aber aufgrund unattraktiver Zinsen keine neuen Bausparer nachkommen, die das System mit Geld füttern, sollten die Bausparkassen besser eine Art Notfallkasse haben, um die Ansprüche ihrer Kunden weiter bedienen zu können.

Bundesregierung lockert Regeln für Sicherungsfonds

Zum Jahresende 2015 hatte die Bundesregierung das Bausparkassengesetz geändert, um den Instituten mehr Luft im Niedrigzins zu verschaffen. Auch die Regeln für die Sicherungsfonds wurden damit gelockert. Bisher durfte auf den FtbA nur zugegriffen werden, um die Zuteilung reifer Bausparverträge zu garantieren. Nun darf er auch „zur Sicherung kollektiv bedingter Erträge“ herhalten. Eine recht schwammige Formulierung, die viel Interpretationsraum lässt.

Das führte dazu, dass der Sicherheitsfonds seither rapide schrumpft. Ende 2014 wies der FtbA für alle Unternehmen noch über 2,2 Milliarden Euro aus. Übrig geblieben sind davon zum Jahresende 2017 nur noch 637 Millionen Euro. Ende 2016 waren noch 1,34 Milliarden Euro in der Notfallkasse.

Kreditvergleich.net

Notfallkassen sind bei vielen Bausparkassen leer

Wie sich das Volumen des Notfallfonds speziell bei den 13 größten Bausparkassen entwickelte, hat sich das Online-Portal Kreditvergleich.net angeschaut. Während der FtbA für die untersuchten Unternehmen im Jahr 2014 noch bei 1.939,4 Millionen Euro gelegen hatte, schrumpfte der Wert der Reserven bis zum Ende 2018 auf 374,5 Millionen Euro. Ende 2017 waren noch 457 Millionen Euro im Notfallfonds.

Inzwischen herrscht bei vielen Unternehmen Ebbe in den Kassen. So hätten acht der 13 Bausparkassen ihre Reserven komplett aufgebraucht. Zu den Unternehmen mit geleertem Fonds zählen unter anderem die Aachener Bausparkasse, die Alte Leipziger Bauspar, die BHW Bausparkasse, die BKM Bausparkasse Mainz, die Debeka Bausparkasse, die Deutsche Bank Bauspar, die Deutsche Ring Bausparkasse und die Signal Iduna Bauspar. Lediglich die Schwäbisch Hall hat mit 278 Millionen Euro noch größere Reserven. Im Jahr 2015 hatte die Schwäbisch Hall noch Reserven in Höhe von 1.053 Millionen Euro. Das ist ein Minus von 74 Prozent. Viele Unternehmen hätten mit dem entnommenen Geld die eigenen Erträge aufgebessert oder ihr Eigenkapital aufgestockt. So kletterte das Volumen im so genannten „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ seit dem Mittelabfluss aus dem Notfallfonds stetig. Dieser Fonds hatte 2011 lediglich Rücklagen von 1.188 Millionen Euro. 2014 waren es bereits 1.912 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wuchsen die Reserven auf 3.142,1 Millionen Euro an.

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